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Es fing alles mit meinen Tieren an. Sie waren meine ersten Lehrmeister. Ich habe mir ohne irgendein Vorwissen einfach eine Kamera gekauft und angefangen zu fotografieren. Ich habe viel geübt und ausprobiert und wenn ich mir heute meine Bilder von vor 10 Jahren ansehe, dann bin ich stolz auf meine Entwicklung, da ich mir alles selber durch Versuch und Irrtum beigebracht habe. Bis 2018 dachte ich bei vielen Fotos natürlich immer: “Ach, dass ist nicht perfekt oder nicht gut genug und löschte so viele Fotos von meinen Hunden. Vorallem von Jamaro. Bis er 2018 plötzlich und ohne Vorwarnung gestorben ist. Seitdem bin ich ganz schlecht in Dateien Löschen und ich bereue es zutiefst, dass ich damals immer nicht nur gedacht habe, es ist nicht gut genug, sondern auch so gehandelt habe. Hier habe ich gemerkt, dass die Fotografie viel tiefer geht als nur schöne Bilder zu machen.
Seit ich denken kann, sind Fotos etwas ganz Wichtiges und Besonderes für mich und nach Jamaros Tod noch viel mehr. Es sind Erinnerungen, die ich mir bei schönen wie auch bei traurigen Geschehnissen immer wieder real vor meine Augen holen kann. Sie lassen mich in die Zeit zurückkehren und verstärken meine Emotionen. Es sind Momente, die für immer bleiben. Sie werden durch die Fotos konserviert und blühen wieder auf, wann immer man sich die Fotos ansieht. In der Stille mit ihnen habe ich begriffen, wie kostbar ein einziger Augenblick ist. Ich wollte diese Verbindung festhalten, dieses Gefühl von bedingungsloser Liebe. Ein Foto ist kein bloßes Abbild. Es ist ein wertvolles Werkzeug, um mir Erinnerungen und Emotionen jederzeit wieder zurückzuholen. Es ist wie eine Zeitkapsel für das Herz.
Echte Emotion ist die ungeschminkte Wahrheit. Ob es das wilde Lachen eines Kleinkindes ist oder der tiefe, vertraute Blick eines Paares, das schon Jahrzehnte gemeinsam geht. Die tiefen Verbindungen zwischen Mensch und Hund. Die Liebe zwischen Geschwistern. Hinter der Kamera bedeutet das für mich, den Schwingungen im Raum zu folgen. Ich fotografiere nicht nur, was ich sehe, sondern was ich fühle. Denn nur wenn ich mich selbst öffne, öffnet sich auch mein Gegenüber. Ich wünsche mir immer, egal ob ich Menschen oder Tiere mit ihren Menschen fotografiere, dass sie mich am besten vergessen. Ich liebe es, wenn dann der Druck abfällt und gemeinsam gelacht wird, gekuschelt oder geküsst wird. Der Hund die Nähe des Besitzers sucht, seine Pfote anbietet oder das Kind seine Mama anhimmelt. Ich liebe Detailaufnahmen. Hände, die sich berühren, die all die Liebe in einem Ausschnitt festhalten, die nicht ausgesprochen werden muss.

Ich sehe den Menschen, die Familie, die Frau. Ich versuche bereits im Vorfeld Druck rauszunehmen in einem Telefongespräch, um den Menschen besser kennenzulernen. Ich frage nach, was ihnen an sich gefällt oder eben auch nicht gefällt. Ich vermittle den Menschen durch meine Sensibilität und Offenheit, dass ich all die Gefühle und Gedanken selber kenne und jedes Mal vor einem Shooting selber sehr aufgeregt bin - egal ob ich hinter oder vor der Kamera stehe.
Besonders bei Frauen erlebe ich oft eine große Zurückhaltung. Viele sagten mir vorher, sie seien nicht schön genug oder fühlten sich zu dick, zu alt, zu faltig.
Wie oft habe ich gehört: “Es gibt kaum ein Bild, wo ich mich schön finde und ich bin einfach nicht fotogen.”
Ich nehme diese Ängste und Unsicherheiten sehr ernst, aber ich spiegele ihnen etwas anderes zurück. Während des Shootings, wie auch danach. Ich schaffe einen Raum ohne Bewertung. Ich wünsche mir immer, dass meine Kunden und Kundinnen ihre Erwartungen “am Auto zurücklassen” und dass wir uns nur auf das Sein konzentrieren. Wenn der Druck wegfällt, kommt die wahre Schönheit von ganz allein zum Vorschein.
Es gab bis jetzt keine Frau, die bei der Auswahl ihrer Lieblingsfotos nicht gesagt hat: “Ich wusste gar nicht, dass ich so schön bin.”.
Das ist das größte Lob für mich überhaupt.

Aber auch bei Familien, Paaren, Freunden und natürlich den Tieren nehme ich immer den Druck raus. Wir müssen gar nichts. Wir reden, wir schweigen, wir atmen. Wir machen Pausen. Ich bin kein fremder Dienstleister, sondern eine Begleiterin. Ich zeige mich selbst immer verletzlich und offen. Wenn ich den Menschen mit Annahme begegne, merken sie schnell, dass es keinen Grund gibt, sich zu verstecken. Es ist ein sicherer Raum, in dem Perfektion keine Rolle spielt.
Tatsächlich berühren und bewegen mich immer wieder Shootings selbst sehr emotional. Durch meine Hochsensibilität spüre ich Schwingungen und meine Antennen nehmen Emotionen wahr, die nicht ausgesprochen werden müssen. Ich sehe in den Augen eines Menschen oft Traurigkeit. Und diese Begegnungen sind oft leise. Einmal durfte ich jemanden begleiten, der gerade einen schweren Verlust verarbeitet hat. In den Augen lag so viel Schmerz, aber auch so viel Liebe. In diesem Raum zu stehen und diese Liebe durch die Linse festzuhalten, ohne den Schmerz wegzudrücken, das hat mich tief berührt.
Es sind oft die Momente mit Frauen, die sich jahrelang vor jeder Kamera versteckt haben. Frauen, die so viel Leid tragen, depressiv sind. Wenn sie nach dem Shooting ihre Bilder sehen und Tränen in den Augen haben, weil sie sich zum ersten Mal in ihrer ganzen Stärke und Schönheit erkennen, berührt mich das jedes Mal zutiefst.
Regenbogen-Shootings sind auch immer und immer wieder eine große emotionale Herausforderung für mich. Das sind Shootings mit kranken (alten wie jungen) Hunden, die nicht mehr lange zu leben haben. Dieses Wissen macht jedes Shooting besonders. Doch ich stehe mit meiner Kraft hinter der Kamera, denn ich weiß wie wertvoll und kostbar diese letzten Erinnerungsfotos sein werden.
Ich habe bereits einige Familien begleitet, die von erwachsenen Kindern gebucht wurden. Die Eltern sind oft schon über 75 Jahre alt. Ich weiß, wie schnell das Leben die Pläne ändern kann und wenn ich dann eine Nachricht erhalte, dass ein Elternteil kurz nach dem Shooting gestorben ist und meine Bilder z. B. für die Sterbekarte oder für die Beerdigung hergenommen werden, dann berührt mich das zutiefst. Die Kinder sind unendlich dankbar, Fotos als bleibende Erinnerung zu haben. Es nimmt nicht den Schmerz und es macht den Verlust nicht weniger schwer, doch diese für immer bleibenden Bilder als Familie können es irgendwann leichter machen.

Im Chaos einer Familie mit Kleinkindern oder in der stillen Vertrautheit zwischen einem Menschen und seinem Hund. Diese Momente kann man nicht inszenieren. Sie passieren einfach, wenn man geduldig genug ist, darauf zu warten. Wenn die Kontrolle nachlässt und das echte Leben, die echte Vertrautheit durchblitzt. Das sind die Bilder, die man sich auch nach zwanzig Jahren noch mit Gänsehaut ansieht.
Es macht mich demütig. Ich darf ihnen ein Stück von ihrem eigenen Licht und ihrem Wesen zurückgeben, das sie vielleicht im Alltag vergessen haben. Besonders Frauen in ihrer Stärke abzulichten und ihnen zu zeigen, dass jede Falte und jede Erfahrung sie nur noch ausdrucksstärker macht, ist eine Herzensaufgabe für mich. Es ist ein Heilungsprozess, auch für mich selbst.
Ich möchte ihnen Geborgenheit schenken und das Wissen, dass ihre eigene Geschichte unendlich wertvoll ist. Egal ob es die erste magische Zeit mit dem Baby ist, das tiefe und vertraute Band der Geschwisterliebe oder das Portrait einer Frau, die endlich ganz zu sich selbst steht. Auch das unbeschwerte, echte Lachen mit der besten Freundin gehört für mich dazu und natürlich diese ganz leise, tiefe Verbindung zu deinem Seelenhund und Herzenshund. Meine Bilder sollen echte Anker sein. Sie sollen dich daran erinnern, wer du bist und wen du von ganzem Herzen liebst, wenn das Leben da draußen mal wieder stürmisch wird.
Weil nur in der Verletzlichkeit eine echte Verbindung entsteht. Masken und Filter gibt es da draußen schon genug. Ich suche das Echte, das Ungeschminkte. Natürlichkeit ist für mich einfach die höchste Form der Ästhetik. Wenn wir uns trauen, verletzlich zu sein, zeigen wir unsere wahre Stärke. Das gilt für die Frau, die auf ein langes Leben zurückblickt, genauso wie für Familien in all ihrem wunderbaren, lebendigen und chaotischen Alltag. Und diese Echtheit zeigt sich ganz besonders in der tiefen, wortlosen Verbindung zwischen Hund und Mensch oder Pferd und Mensch. Tiere spüren unsere Seele sofort und sie bewerten uns nicht. In ihrer Gegenwart lassen wir automatisch alle Schutzmauern fallen. Wenn diese bedingungslose Liebe und das pure Vertrauen zwischen Mensch und Tier im Bild sichtbar werden, dann entsteht diese ganz besondere Magie, die ich für immer festhalten möchte.

Ich halte den Raum. Wenn Erinnerungen an verstorbene Tiere oder schwere Zeiten hochkommen, dann darf das sein. Ich lege die Kamera weg und bin einfach da. Diese Gefühle gehören zur Geschichte meines Gegenübers dazu. Oft sind es genau diese emotionalen Durchbrüche, die zu den ehrlichsten und kraftvollsten Bildern führen, die wir je gemacht haben.
Berührend ist für mich einfach alles, was echt ist. Wenn ich beim Betrachten spüren kann, wie weich das Fell des Hundes war oder wie fest die Hand des Partners gedrückt hat. Ein berührendes Bild braucht absolut keine technische Perfektion. Es braucht eine Seele. Es muss eine Saite in mir zum Klingen bringen, die noch ganz lange nachhallt. Zu diesem Gefühl trägt für mich auch oft der Bildstil bei. Ich liebe schwarz weiß Fotos, wenn sie emotional zu dem Moment passen, weil sie das Bild auf das Wesentliche reduzieren, auf die pure Emotion.
Gerade in der heutigen Zeit finde ich es ganz schlimm, dass so viele Menschen KI Bilder produzieren und sich künstlich selbst erstellen. Selbst wenn es handwerklich gut gemacht ist, sehe ich innerhalb einer Millisekunde, ob ein Foto echt ist oder nicht. Es fehlt bei jedem künstlichen Bild das Wichtigste, nämlich das Gefühl. Vor allem wenn es um Portraits oder Bilder von der Familie, dem Kind und dem Tier geht, ist es für mich ein absolutes No Go, solche Bilder toll zu finden. Es ist einfach nicht echt. Es fehlen die echten Gefühle, die Schwingungen und dieses wunderbar Unperfekte, das uns Lebewesen doch erst ausmacht.
Weil wir uns in der Perfektion verlieren. Wir vergleichen uns mit Illusionen und fühlen uns ständig ungenügend, nicht gut genug. Dieses ganze Höher, Schneller und Weiter, das Streben nach immer mehr Geld und dieser Druck, nach außen hin immer nur perfekt zu wirken, all das passt überhaupt nicht in mein Weltbild und nicht zu meinem Wertesystem. Auch wenn ich selber damit zu kämpfen habe mich nicht gut genug zu fühlen, da ich anders bin wie viele andere.
Auch dieses ständige Urteilen über andere Menschen macht so viel kaputt. Das Vergleichen lässt einfach alles Positive in uns sterben. Echtheit ist das einzig wahre Gegengift.
Zu zeigen, dass man auch mit Fältchen, mit Chaos im Hintergrund, Hochsensibilität, chronischen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen oder mit Tränen in den Augen wunderschön und “RICHTIG” ist, ist heute fast schon ein revolutionärer Akt.
Wir brauchen in unserer heutigen Zeit nicht nur viel mehr Menschen, die echte Menschlichkeit besitzen und zeigen, sondern eben auch Bilder, die sich wie ein geborgenes Zuhause anfühlen.

Ich wünsche mir vor allem, dass sie sich selbst mit Liebe begegnen. Dabei unterscheide ich ein bisschen, wer diese Bilder gerade anschaut. Wenn es fremde Menschen sind, die selbst nicht auf den Fotos zu sehen sind, wünsche ich mir, dass sie emotional ganz tief berührt werden. Sie sollen die echte Verbindung spüren und den Impuls in sich spüren, sich selbst auch einmal so ein Shooting zu schenken, weil sie merken, wie gut es der eigenen Seele tut, so gesehen zu werden.
Und für meine Kunden, die sich mir anvertraut haben, wünsche ich mir, dass sie diese Bilder als ein ganz kostbares Geschenk betrachten können. Ein Geschenk für ihre Familie, ein Geschenk für die Ewigkeit und vor allem ein Beweis für ihre ganz eigene, innere Stärke. Ich möchte, dass sie die Bilder als eine Schatzkammer ihrer Gefühle sehen und spüren, wie viel Kraft in ihrer eigenen Natürlichkeit steckt. Sie sollen wissen, dass sie genau so, wie sie in diesem Moment sind, absolut richtig und wunderschön sind.
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